2003

Die Musik von Jens Groh und Max Glück darf durchaus als Hintergrundmusik verstanden werden und reichert als solche zunächst die bereits vorhandene Umgebung des Hörers an. Doch im Gegensatz zur Funktionsmusikbeschallung hat sie den Anspruch, neue Umgebungen zu erschaffen.

Jens Groh und Max Glück entwickeln seit vielen Jahren Ambient Music im weiteren Sinne. Sie benutzen dafür Synthesizer und Computer, die sie so steuern und programmieren, dass die entstehenden Klänge sich zu äußerst komplexen Gebilden entwickeln können. Diese laufen manchmal über Stunden, manchmal sogar Tage hinweg, und niemals wiederholen sie sich genau. Nichts davon ist vorgefertigt, alles wird in Echtzeit generiert und ist häufig nicht reproduzierbar, geschweige denn vorhersagbar. Die Programmierung bestimmt algorithmisch das Eigenleben des Klanges, die Steuerung erfolgt improvisierend in unmittelbarer Interaktion mit dem Klang.

Das Projekt "Gegenwärtige Digital-Analog-Wandlung" zeigt eine Kombination der laufenden Arbeiten von Jens Groh und Max Glück, dargeboten als Improvisation. Die synthetisch erzeugten Klänge sind extraordinär. Sie stammen zum Teil aus neuester Forschung und sind mit anderen Mitteln nicht erzeugbar. Man darf sowohl mit ruhiger Ambient Music rechnen als auch mit abstrakter Geräuschhaftigkeit.

Max Glück arbeitet mit einem Realtime-Transwave-Synthesizer, dessen Entwicklern einige wunderbare Fehler unterlaufen sind. Neben manch sturem Missverhalten entwickelt der Synthesizer damit in den allerbesten Situationen ein unvorhersagbares Eigenleben. Die Bedienung erfolgt ohne jegliche zu Hilfenahme eines Computers klassisch konventionell: Regler, Taster & Klaviatur.

Jens Groh setzt ein neuartiges virtuelles Musikinstrument aus eigener Entwicklung ein. Es ist gänzlich im Computer realisiert und wird über Drehknöpfe gesteuert. Darin sind die mathematischen Formeln eines Rückkopplungsprinzips so "zurechtmassiert" worden, dass organische, sich endlos entwickelnde Klänge entstehen. Ihr Charakter liegt im Bereich metallischer, rauschender und räumlicher Wirkungen.

Aufführung bei der Materialausgabe am 4. und 5. April 2003.

Lucid Dreams (ca. 20MB MP3)       Lucid With (Special Guest: Reyam Tierk) (ca. 5MB MP3)

elmulab.de kommentiert:
"Nicht weiter vorbereitet riskierten sie es, wie bei einer Session im privaten Rahmen, sich auf ihre Stimmung zu verlassen und versuchten über ihre aktuellen Klänge zu kommunizieren. Ein kleiner kahler Raum, ein paar Stühle, Verstärker mit Boxen, ein Regenbogenwerfer, eine blaue Stehlampe und mittendrin, sich gegenüber sitzend: Max Glück vor dem FIZMO Synthesizer und Jens Groh mit dem Drehbank auf dem Schoß sein Grohnium steuernd. Während im Saal zwischen den Aufführungen umgebaut wurde schraubten beide an ihren Klangcollagen und ließen ihre Geräte vor sich hin blubbern, rauschen und brutzeln wenn sie selbst Zuschauer der Aufführungen waren. Richtig los ging es dann Stunden nach dem offiziellen Beginn, als beide auf die gleiche Wellenlänge zusteuerten. Die Stühle im Raum waren voll besetzt, und ein Gast der - wie er mir sagte - längst gehen wollte, spürte die Aufbruchstimmung und lauschte dem Stück dann bis zum Ende - immerhin ca. 40 Minuten. Nach wenigen Minuten machte ein Zuhörer spontan die Tür zu um uns vor den Außengeräuschen zu befreien und die Sphärenklänge besser wahrnehmen zu können. Eine sehr gute Entscheidung! Lucid Dreams!"



2004

Max Glück und Jens Groh zeigen auch 2004 ihr fortlaufendes Projekt Gegenwärtige Digital-Analog-Wandlung: Sie erschaffen stets neue, akustische Umgebungen, klanglich zwischen ruhiger Ambient Music und abstrakter Geräuschhaftigkeit.

Dieses Mal spielen beide auf dem Grohnium, einem neuartigen Computer-Musikinstrument aus eigener Entwicklung. Organische, sich endlos entwickelnde Klänge, von teils tonalem, teils metallisch-räumlichem Charakter, entstehen rein synthetisch aus speziell entworfenen mathematischen Formeln. Das Bemerkenswerte an dieser Technik ist ihre hohe klangliche Komplexität und Eigendynamik. Sie wird erreicht, ohne dass der Klang aus vorher existierenden akustischen Ereignissen abgeleitet werden oder ihm seine Veränderlichkeit aufgezwungen werden müsste, etwa durch Anhäufen von Notenereignissen. So eignet sich das Grohnium im besonderen Maße sowohl zur spontanen Improvisation durch parametrische Steuerung als auch als Dauerklang-Installation ohne Eingriff des Musikers.

Erstmalig sollen die beiden Grohnium-Computer auch miteinander gekoppelt werden. Die Idee ist, beide Instrumente - je nach Bedarf mehr oder weniger - zu einem gemeinsamen Klangerzeuger zu verschmelzen und so auch die Aktionen der Musiker bereits vor der Schallwerdung in einer neuen Einheit zu integrieren. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Aufführung bei der Materialausgabe am 24. April 2004 in der "Reaktorhalle" der Hochschule für Musik und Theater, München.


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